Mein Volunteering bei Belize Bird Rescue

Für insgesamt zwei Wochen machte ich ein Volunteering bei Belize Bird Rescue. Nikki, eine Biologin und die Betreiberin von Belize Bird Rescue holte mich vom Bahnhof ab und wir fuhren über eine holprige Schotterpiste zu der Anlage. Dort angekommen wurde ich von einer Unmengen Papageienrufen begrüßt.

Ein Pärchen ausgewilderter Gelbwangenamazonen

Zusammen mit ihrem Mann Jerry gründete Nikki 2004 das einzige Vogelschutz- und Rehabilitationszentrum in Belize, welches mehrere Arten umfasst.  Finanziert wird es durch Spendengelder und durch Vermietungen von Gästehäusern, welche sich auf der Anlage befinden.

Nikki führte mich zuerst herum und zeigte mir alles. Die Volierenanlagen befanden sich hinter dem Wohnhaus. Bis auf den hellroten Ara, waren alle von den neun in Belize beheimateten Papageienarten in den Volieren vorhanden. Nikki erklärte mir, dass es sich ausschließlich um Papageien handelte, welche verletzt sind oder von der Regierung beschlagnahmt wurden. Manchmal kam es vor, dass Papageienhalter ihre eigenen Tiere vorbeigebracht haben, mit der Bitte diese auf eine Auswilderung vorzubereiten. Wir gingen nun dazu über zu flüstern. An allen Volieren hingen Schilder mit der Aufschrift: nicht sprechen, nicht füttern, nicht anfassen, fotografieren erlaubt. Viele der Papageien hatten in der Vergangenheit einen sehr engen Kontakt mit Menschen gehabt, um in Freiheit überleben zu können, müssen sie ihre Vertrautheit wieder verlieren.

Yucatán-Sperlingskauz

In zwei kleineren Volieren waren jeweils ein Yucatán-Sperlingskauz (Glaucidium griseiceps), eine sehr kleine Eulenart untergebracht. Eine wurde mit einer Flügelverletzung aufgefundenen, bei der zweiten hatte jemand beabsichtigt, den Kautz als Haustier zu halten und hat ihm die Flügelfedern gestutzt.

Der Gelbbrustara „Papi“

Wir gingen weiter über die Anlage und erreichten die Terrasse vor dem Gebäude. Im Eingangsbereich standen mehrere kleinere Käfige mit jeweils einem Tier darin. Auf dem ersten Käfig turnte ein Gelbbrustara (Ara ararauna) herum. Nikki sagte mir, dass er Papillon heißt, aber nur Papi gerufen wird. Gelbbrustaras kommen in Belize nicht in freier Wildbahn vor. Als Nestling wurde er in Brasilien der Wildnis entnommen und kam zu einer brasilianischen Familie. Diese zog zuerst in die USA und dann weiter nach Belize. Als sie wieder zurück in USA reisen wollten, ließen sie Papi hier. Sie bemerkten, dass das warme Klima in Belize Papi ausgesprochen gut tat und wollten ihm nicht die Kälte des Nordens der USA zumuten. Papi hat den grauen Star und ist fast blind. Nun bekam ich meine erste Einweisung. Papi möchte öfters mal in einen Strauch vor dem Haus getragen werden. Nikki hob ihm ein Stock hin und Papi stieg sofort darauf. Sofort biss er wild auf diesen ein und ich verstand sofort, warum sie ihm nicht die Hand hingehalten hatte. Wenn er anfängt zu kreischen, möchte er zurückgesetzt werden, erklärte sie mir.

Einen Käfig weiter war die Weißstirnamazone (Amazona albifrons) Tee untergebracht. Wie Papi hatte auch sie den Grauen Star. Gleich daneben war Mary-Kate, ebenfalls eine Weißstirnamazone. Mary-Kate machte einen sehr fröhlichen Eindruck und fing sofort an zu zwitschern als ich vor ihr stand. Nikki erklärte mir, dass sie auf einem Auge komplett blind ist und auf dem anderen nur noch Licht und Schatten wahrnehmen konnte. Wahrscheinlich das Resultat von sehr einseitiger Ernährung aus der Zeit, in der sie als Haustier gehalten wurde. In einer großen Transportbox war ein junger Tölpel untergebracht. Er war noch ein Baby und hatte statt Gefieder nur hellen schneeweißen Flaum.

Wir gingen in den Raum nebenan. Hier waren eine junge Taube, ein Aztekensittich und eine Gelbkopfamazone untergebracht. Wir blieben vor der Gelbkopfamazone stehen und Nikki gab mir die nächste Aufgabe. Wann immer ich Zeit und Lust habe, sollte ich mich um Laura kümmern. Ich durfte sie aus dem Käfig nehmen und überall hin mitnehmen. Mein Herz machte einen Sprung. Eine Aufgabe die ich nur zu gerne machen würde. Ich nahm sie auch gleich beim Wort, öffnete den Käfig und ließ Laura auf meine Hand aufsteigen. Sie war kein bisschen scheu, sie freute sich sogleich und fing munter an zu plappern. Laura hatte ebenfalls den grauen Star und hatte im Streit mit einer anderen Amazone den Unterschnabel verloren. Nikki erzählte mir, dass sie schon mehrere Versuche unternommen hatte Laura zu verpaaren. Diese aber eine große Angst vor anderen Papageien zeigt. Auch die Taube, sollte die nächste Zeit mein zugeteilter Pflegling sein. Sie fraß nicht und Nikki wusste nicht warum.

Auswilderungsvoliere der Gelbkopfamazonen

Nun gingen wir weiter und entfernten uns von dem Haus und den Volieren. Die Anlage ist riesig. Sie grenzt an einen Bach, der zum Schwimmen geradezu einlädt. Nach ca. fünf Minuten Fußweg erreichten wir einen Weg der in den Wald führte. Ein Schild mit „Betreten verboten“ zierte den Pfad. Sie sagte mir, dass wir nun besonders still sein müssten. Die Geräusche waren mir sehr vertraut und ich wusste genau, was uns erwarten würde. Ein paar Meter weiter, mitten im Wald stand eine riesige Voliere mit Gelbkopfamazonen. Als ich mich nach den genauen Maßen erkundigte, konnte mir diese niemand nennen. Ich schätzte die Volierenalage auf circa acht Meter Tief, fünfzehn Meter lang und acht Meter hoch.

Die Gelbkopfamazone ist vom Aussterben bedroht und für diese Art hatte Belize Bird Rescue ein eigenes Schutzprogramm. Nur 1200 Exemplare soll es in Belize noch geben. Hier in Belize ist allerdings zumindest eins vorhanden, etwas, dass sie in Mexico, Guatemala und Honduras nicht mehr haben: Lebensraum! Man geht mittlerweile davon aus, dass es in genau diesen Ländern nur noch ein paar Hundert gibt. Der Hauptgrund für diesen extremen Rückgang ist die Wilderei. Noch als Nestlinge werden die Vögel den Eltern weggenommen. Dann meistens sehr zügig die Flügel gestutzt, aufgepäppelt und verkauft. Werden sie beschlagnahmt, haben sie großes Glück. Sie werden zu Belize Bird Rescue gebracht, wo sie weiter von Hand aufgezogen werden, dann in die Flugvoliere kommen, um später wieder ausgewildert zu werden. Wie ich hier in Belize erfuhr, sind aber nicht nur die Wilderer ein Problem. In Belize brüten die Gelbkopfamazonen fast ausschließlich in Baumhöhlen von Pinien und diese Bäume sind sehr schmal, so dass die Bruthöhlen nicht gerade geräumig sind. Ein Gelege umfasst meistens drei bis vier Eier und oftmals schlüpfen vier Junge. Platz in der Höhle ist allerdings nur für zwei Junge. Sehr häufig bleiben die ein bis zwei jüngsten Nestlinge auf der Strecke und sterben. Belize Bird

Conservancy startete daraufhin gemeinsam mit Belize Bird Rescue ein Projekt, in dem die ein bis zwei schwächsten Tiere entnommen werden, um von Hand großgezogen zu werden. Die älteren, stärkeren Jungen verbleiben bei den Elterntiere. Eine Ausnahme stellen allerdings die Bruthöhlen dar, welche jedes Jahr regelmäßig von Wilderern geplündert werden. Hier entnimmt Belize Bird Conservancy alle Jungtiere und gibt sie zur weiteren Handaufzucht und Auswilderung an Belize Bird Rescue. Sind sie gesund und fit werden sie nach etwa zehn Monaten freigelassen.

Mein Pflegevogel Laura

Die Voliere mit den jungen Gelbkopfamazonen war unsere letzte Station bei unserem Rundgang. Nikki teilte mir mit, dass es am Wochenende sehr ruhig zugeht. Außer der Fütterung der Tiere steht nichts an. Es war ein Samstag als ich dort ankam. Außer mir waren gerade noch ein Ehepaar da, welches ebenfalls freiwillig arbeitete, aber schon am Folgetag abreisen sollte. Ab sechszehn Uhr gibt es wieder etwas zu tun und bis dahin könnte ich nun machen, wozu ich Lust hätte. Ganz klar, ich ging natürlich auf dem direkten Weg zu der Gelbkopfamazone Laura. Das Auspacken kann schließlich bis zum Abend warten.

Weißstirnamazonen an den Futterkörben

Um sechzehn Uhr ging die Arbeit los. Zuerst richteten wir leere Futterkörbe für den Folgetag hin. Danach brachten wir die Volieren von der Terrasse in einen geschlossenen Raum und gingen mit frisch aufgetautem Fisch zu dem Wasservogelgehege. Ein junger Tölpel, dieser hatte schon sein Federkleid und ein Pelikan teilten sich das Gehege. Wir fütterten den Tölpel von Hand. Freudig riss er uns die Fische aus der Hand, schleuderte sie erstmal wild durch die Gegend, verpasste uns dabei eine ordentliche Dusche und schlang dann die Fische gierig herunter. Wir wechselten das Wasser und holten den kleinen Käuzen jeweils eine tote Maus aus dem Kühlschrank. Ich gab den Kücken ihr Fressen und trieb sie in ihre Voliere. Sie durften sich den Tag über auf der Anlage frei bewegen. Im Kühlschrank waren sechs volle Futterkörbe, welche wir auf der Veranda für die wildlebenden Vögel, insbesondere für die Papageien verteilten. Diese warteten auch schon in den umliegenden Bäumen. Kaum waren die Futterkörbe ausgetauscht, kamen die Papageien angeflogen und fraßen genüsslich das angebotene Essen. Ich war einfach nur glücklich. Die Woche zuvor hatte ich nur ganz selten welche zu Gesicht bekommen und da waren sie nun. Wilde Papageien nur knapp einen Meter von mir entfernt. Unsere Arbeit war für den Tag erledigt und ich war etwas enttäuscht. Insgesamt hatten wir gerade mal eine Stunde gebraucht, freute mich aber gleichzeitig, da ich nun Zeit hatte und die Papageien beobachten konnte.

Weißkopfpapageien

Weißstrirnamazonen, Weißkopfpapageien (Pionus senilis) und Gelbwangenamazonen bedienten sich an dem Futter. Viele trugen einen Ring von der Rescue-Station. Es waren zum größten Teil die ausgewilderten Papageien, welche gerne zum Fressen zurückkamen.

In einem Mangobaum vor dem Haus entdeckte ich ein Aztekensittichpärchen, welches gerade an einem Termitenbau auf einem Baum eine Höhle erkundete. Ein Braunflügelguan (Ortalis vetula) kam angeflogen und landete auf dem Geländer. Der englische Name für den Guan ist Chachalaca und so erhielt er auch seinen Namen Chacha. Er soll ebenfalls ausgewildert werden und konnte sich frei bewegen. Wie sich allerdings herausstellte terrorisierte er lieber irgendwelche Personen. Mit dem Sonnenuntergang flogen die Papageien zu ihren Schlafplätzen. Viele Gruppen von Sittichen und Amazonen flogen direkt über die Anlage hinweg um ihre Schlafplätze aufzusuchen. Der Tag ging viel zu schnell zu Ende und ich war gespannt, was der nächste Tag bringen würde.

Pünktlich mit dem Sonnenaufgang um sechs Uhr war ich auf den Beinen. Arbeitsbeginn war eine Stunde später. Ich nutzte die Gelegenheit das frühmorgendliche Treiben auf der Anlage zu beobachten. Kaum war ich von meinem Bungalow aus, er steht etwa 100 Meter vom Haupthaus entfernt, auf dem Hauptweg angelangt, stürzte der Guan Chacha auf mich zu und pickte an meinen Schuhen rum. In den Bäumen zwischen den Volieren kraulte sich ein Pärchen Gelbwangenamazonen. Als sie mich kommen sahen gingen sie schnell auseinander, blieben aber dennoch sitzen. Das Ehepaar, welches nun seinen letzten Morgen hatte, kam schon um halb sieben und fingen an, das Futter zu richten. Ich gesellte mich zu ihnen.

70 Futterkörbe mussten jeden morgen vorbereitet werden

An die 70 Futterkörbe galt es vorzubereiten. Hinein kamen Sonnenblumenkerne, gekochte Bohnen mit Mais, Papaya, Wassermelone, Bananen, Kokosnuss und Orangen. Danach folgte die Verteilung des Futters in die Volieren. Einige Volieren hatten außerhalb Klappen über die man das Futter reichen konnte, in manch andere musste man hineingehen. Es war genau festgelegt, wieviel Futterkörbe in welche Voliere kommen. Wir tauschten das Wasser und sammelten die Futterkörbe vom Vortag ein. Die Wasservögel bekamen erneut ihre Fische und schließlich machten wir uns auf den Weg, um die Gelbkopfamazonen zu füttern.

Die Klappen um das Futter zu reichen befanden ich in einer Höhe von etwa 4 Metern. Die Amazonen sind alle von Hand groß gezogen worden und ihre Scheu war dementsprechend gering. Kaum war ich an einer Futterklappe angelangt, saßen auch schon sechs direkt an der Öffnung. Hoch oben auf der Leiter, mit wenig Bewegungsfreiraum, machte ich mir nun große Sorgen, dass mir beim Reinreichen des Futters eine entwischt. Hinzu kam, dass ich zu lange gezögert hatte, immer mehr kamen angeflogen und mittlerweile hatten einige auf dem Rand des Futterkorbs Platz genommen. Ich musste sie also zuerst mal da wieder wegbekommen. Schließlich fasste ich mir ein Herz und öffnete die Klappe, griff hinein und schüttelte leicht den Korb. Runter von dem Korb gingen sie zwar, jedoch dachten sie keineswegs daran, das Weite zu suchen. Also schnell raus und mit dem frischen Korb schiebt ich sie dann mehr oder weniger zur Seite. Puh, keine ist entwischt. Erleichtert und mit zitternden Knien kletterte ich von der Leiter.

Eine junge Gelbkopfamazone

Nun hatten wir es auch schon wieder geschafft. Unsere Arbeit für den Morgen war fast erledigt. Nikki nahm mich auf die Seite und ging mit mir zu der kleinen Taube. Sie bat mich, in den Folgetagen nach ihr zu sehen. Wir wogen ihr Gewicht und da sie nicht fraß, verabreichte Nikki ihr über eine Kropfsonde das Futter. Gegen Mittag verließ uns das Pärchen und Abends richtete ich mit Nikki zusammen erneut die Futterkörbe für den Folgetag und erledigte die Abendfütterung.

Nun folgte täglich der gleiche Ablauf, nur das unter der Woche drei feste Mitarbeiter anwesend waren. Unter der Woche fiel allerlei Arbeit an. Wir räumten leerstehende Volieren aus und richteten diese wieder neu ein. Dafür sammelten wir frische Palmblätter und Äste. Für die besonders scheuen Wildvögel brachten wir an den Außenseiten der Volieren frische Palmblätter an, damit sie an einem ruhigen und sicheren Ort Rückzugsmöglichkeit in den Volieren haben und den Trubel außerhalb nicht mitbekommen.

Mehrere Notfälle gab es im Laufe der Zeit. Eine Schleiereule hatte sich in einen Hausflur eines Gebäudes hinein verirrt und kam selbstständig nicht mehr heraus. Nikki, Oskar und ich fuhren hin und fingen die Eule ein. Zurück bei Belize Bird Rescue wurde sie untersucht. Nikki konnte nichts feststellen und so ließen wir sie am Abend wieder fliegen.

Ein paar Tage später wurde eine völlig entkräftete Königsseeschwalbe zu uns gebracht. Nikki las den Ring aus und stellte fest, dass sie erst sieben Monate alt war und einen Weg von 2400 km, von Virginia (USA) nach Belize City, zurückgelegt hat. Wir brachten sie zur Erholung zu den anderen Wasservögel.

Rundkäfige sind leider die typische Papageienhaltung in Belize

Nikki hat eine Gelbwangenamazone in einem kleinen Rundkäfig am Straßenrand entdeckt und fragte mich, ob ich aus dem Auto heraus beim Vorbeifahren Fotos machen könnte. In Belize ist es verboten, die heimischen Tiere privat zu halten und sie hoffte, die Amazone durch die Polizei beschlagnahmen lassen zu können. Unser Vorhaben gelang und Nikki setzte sich am Folgetag mit der Behörde zusammen. Passiert ist allerdings nichts. Nikki erklärte mir, dass die Polizei sehr träge ist und oftmals leider gar nichts passiert. Einen Versuch war es wert und sie wird dran bleiben.

Mittlerweile sind Jenny und Aron aus den USA angekommen. Wie ich machten auch sie ein zweiwöchiges Volunteering. Sie bekamen die Aufgabe, sich um die Weißstirnamazone Mary-Kate zu kümmern. Gemeinsam saßen wir nun in unserer freien Zeit auf der Terrasse und kümmerten uns jeweils um Laura und Mary-Kate. Wie Laura hatte auch Mary-Kate Angst vor anderen Papageien. Nikki hatte die Idee, man könnte vielleicht Versuchen die zwei zu vergesellschaften. Täglich versuchten wir eine Annäherung der beiden unterschiedlichen Papageien, aber diese beschlossen, sich gegenseitig vollständig zu ignorieren. Trotz ihrer vielen Handicaps staunte ich sehr, wie aufgeweckt und agil Mary-Kate war. Sie liebte Spielzeug und widmete sich allem, was man ihr reichte mit Freude und Ausdauer. Auch Laura war immer mit Freude dabei, wenn ich sie holen ging. Spielsachen waren nicht so ihr Ding, mit dem fehlenden Unterschnabel konnte sie ja schließlich nicht mehr knabbern. Sie liebte es aber zu erzählen und sich kraulen zu lassen.

Chacha terrorisierte uns und die Gäste weiter. Strafte man ihn mit Nichtachtung, sprang er einem in den Nacken. Nikki musste eine Lösung finden. Sie fand tatsächlich einen Platz in einem großen Gehege, wo er nur mit einem Pfleger bei der Fütterung in Kontakt kommen würde. Hier sollte er nun eine neue Chance bekommen, wieder wild zu werden und wir alle drückten ihm die Daumen, dass es klappt. Kaum war er allerdings weg, merkten wir, wie sehr wir ihn vermissten.

Der kleinen Taube ging es mittlerweile deutlich besser. Sie legte täglich an Gewicht zu und durfte nun tagsüber in eine große Voliere nach draußen. Wenn es Nacht wurde brachte ich sie in ihren Käfig zurück.

In der zweiten Woche kamen Urlaubsgäste, welche gerne mitarbeiten wollten. Gäste, welche bei Bird Rescue übernachten haben immer die Option mitzuarbeiten, müssen dies aber natürlich nicht. So blieb mir mehr Freizeit und ich nutzte die Gelegenheit zum Fotografieren, im Bach zu schwimmen oder um die jungen Gelbkopfamazonen in der Waldvoliere zu beobachten.

Die Weißstirnamazone wird auf ihre Flugtauglichkeit hin untersucht

Dann stand eine große Aufgabe an und wir waren über die weiteren Helfer sehr glücklich. 34 Weißstirnamazonen befanden sich gerade in einer großen Auswilderungsvoliere. Diese galt es nun zu untersuchen und zu schauen, ob sie für eine Auswilderung geeignete seien. Es galt alle einzeln zu fangen, die Flügel, Krallen und den Allgemeinzustand zu kontrollieren und zu dokumentieren. Nach und nach fingen wir jede einzelne Amazone ein. Es war erschreckend zu sehen wie viele gestutzte Flügel hatten. Von den 34 waren nur zwölf für eine Auswilderung geeignet. Die, welche ausgewildert werden sollten, mussten vorerst in Transportboxen und jene, welche noch auf ihre Auswilderung warten mussten, wurden in die Voliere nebenan umquartiert. Schließlich war die Voliere komplett leer und wir entfernten nun die Inneneinrichtung. Wir gingen in den Wald und schnitten neue Äste und Palmblätter zurecht und brachten diese in der leergeräumten Voliere an. Schließlich durften die zwölf Weißstirnamazonen vorerst noch mal in ihre Voliere zurück. In den kommenden Tagen, wird die Volierentür aufgemacht und den Papageien wird es frei stehen zu gehen bzw. zu fliegen. Die restlichen 24 mussten weiterhin auf ihre Auswilderung warten. Bis zu fünf Jahre kann es dauern bis die Schwungfedern wieder vollständig nachgewachsen sind.

Weißstirnamazone mit gestutzten Flügeln. Sie muss auf ihre Auswilderung noch warten.

Die Gelbwangenamazonen Hope und Glory

Im Laufe der Zeit bekam ich immer mehr traurige Schicksale von den einzelnen Papageien mit. Hope und Glorius kamen in einem fürchterlichen Zustand zu Belize Bird Rescue. Hope ist komplett blind, Glorius hatte den graue Star und sah wie Mary-Kate nur noch sehr wenig. Die zwei freundeten sich an und konnten sogar eine eigene kleine Voliere beziehen. Glorius hilft Hope dabei zurechtzukommen. Wenn es Futter gibt oder eine Gefahr da ist, stupst Glorius Hope in die richtige Richtung. Einmal hatte ich in der Voliere zu tun und sah selber, wie zart er an Hopes Flügel tippte, damit sie zu dem sicheren Unterschlupf geht. Bei der Rescue-Station gab es auffallend viele Vögel mit dem Grauen Star. Ganze sieben Stück konnte ich zählen. In den Südländern wird auf eine gesunde und ausgewogenen Papageienernährung nicht sonderlich geachtet. Meist werden diese sehr einseitig mit Sonnenblumenkernen ernährt und in viel zu kleinen Käfigen gehalten. Die Folgen hieraus sind der Graue Star und Arthrose.

Viel zu schnell ging die Zeit bei Belize Bird Rescue zu Ende. Es ist sehr lobenswert, dass sich vor Ort Organisationen unter anderem wie Belize Bird Conservancy, Belize Bird Rescue und der Belize Zoo für den Artenschutz einsetzen. Die privat geführte Auffang- und Auswilderungsstation Belize Bird Rescue kann man durch ein Volunteering, einer Spende oder mit einem Besuch unterstützen. Von Deutschland aus ist der einfachste Weg, über Paypal zu spenden: www.paypal.me/BelizeBirdRescue

Wer eine Reise in dieses besondere Land plant, dem kann ich den Reiseanbieter www.dienaturreise.de nur wärmstens empfehlen.

Quellen: Belize Bird Rescue, Belize Bird Conservancy, Avibase